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Gottes Wort - ein Hammer!

"Ist mein Wort nicht so: wie Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?"

Was meinen wir damit, wenn wir vom „göttlichen Wort“ sprechen? Es ist mehr, als nur Wörter. Es ist das, was Gott uns zu sagen hat. Wir Menschen stehen im ständigen Dialog mit Gott. Einerseits mit Sorgen, Bitten und Klagen, vor Gott gebracht im Gebet. Anderseits auf der Suche nach Orientierung, Trost und Ermutigung. Die sind in der Bibel zu finden, in Weisheiten, Mutmachgeschichten, Gleichnisse und Predigten Jesu, die uns Gott zu verstehen helfen. Das eigentliche „göttliche Wort“ ist aber mehr: Es wird spürbar und erlebbar, wenn eine Erkenntnis, ein Geistesblitz, ein „Aha-Erlebnis“ unser bisheriges Denken und Handeln umkrempelt. Oder zumindest neu orientiert.

Solche Erfahrungen mit dem „göttlichen Wort“ können geschehen, wenn wir aufmerksam die Bibel lesen. Wenn wir durch die Heiligen Schrift verstehen lernen, wer Christus ist, der ja selbst  dort der „Logos“, „das Wort“ genannt wird. Christus, der als Mensch unter uns Menschen uns Gott so nahe gebracht hat, sein Wort in Person ist.

Und dieses Wort ist nichts Harmloses. Im Prophetenbuch Jeremia (23, 29) sagt Gott über sich selbst: „Ist mein Wort nicht so: wie Feuer, …, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?“ An Jesus selbst, seinem Tun und Sprechen sehen wir, wie das Wort Gottes, lebendig geworden, wirkt: Ausgestoßene und Ausgegrenzte gehören plötzlich wieder dazu, kommen zurück in die Mitte der Gesellschaft. Kranke werden gesund, vor allem dadurch, dass sie Aufmerksamkeit und Nähe erleben. Ganz grundsätzlich werden Herrschaftsverhältnisse in Frage gestellt,  Hierarchien umgekrempelt, wenn plötzlich die direkte, unmittelbare Beziehung eines jeden Einzelnen zu Gott mehr zählt als Traditionen, von Autoritäten verteidigte Regeln und vor allem: ungerechte Zustände, die im aus der Perspektive des „göttlichen Wortes“ heraus ganz einfach nicht hingenommen werden können.

Ulrich Zwingli, der Reformator meiner Kirche, hat versucht, in seinen Predigten dieses lebendige, lebensbejahende, Missständen gegenüber kritische Wort Gottes zu verkünden. Über den „Gegenwind“, den er dabei erlebt hat, schreibt er: „Ich habe alle meine Anfeindungen daher, dass ich kämpfe gegen Raub, Krieg und Gewalt.“ Nicht theologische Spitzfindigkeiten haben seine Kritiker und Gegner auf den Plan gerufen. Sondern sein Versuch, die herrschenden gesellschaftlichen und politischen Zustände am göttlichen Wort zu messen.

Dieses Wort ist oft eben nicht spirituelle „Wellness“. Sondern fordert heraus, zum kritisch Hinschauen, zum kritisch Nachdenken und zum verantwortlich Handeln.

Pfr. Johannes Wittich

veröffentlicht im "Dreiklang" 01/2018
Pfarre "Zum Göttlichen Wort"